Review: „The Man In The High Castle“ Staffel 2 (Spoiler)

Staffel 2 der dystopischen Serie hat ihre Schwächen, ist aber trotzdem spannend.

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Wir befinden uns in den 1960er-Jahren: Die Deutschen und Japaner haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen und Amerika unter sich aufgeteilt. Das ist das Grundgerüst der dystopischen Amazon-Serie „The Man In The High Castle“, dessen zweite Staffel nun auf deutsch verfügbar ist.

Es ist gleich zu Anfang von Staffel 2 eine schreckliche Szenerie, die uns erwartet: Amerikanische Kinder, die in der Schule „Sieg Heil!“ rufen und dem Führer schier bedingungslos treu sind, Minderheiten werden vom Staat konsequent verfolgt oder in Ghettos eingesperrt. Unheilbar Kranke müssen von ihrem Leiden aufgrund strenger Euthanasie-Gesetze sofort „erlöst“ werden. Die Situation, die uns „The Man In The High Castle“ präsentiert ist dunkel und erschreckend – weckt aber nicht nur in den Charakteren eine Hoffnung auf eine bessere Welt.

Wie schon Staffel 1 haben auch die neuen Folgen Schwächen: Manche Geschichten sind erschreckend langweilig (Joe’s Reise nach Deutschland z.B.) erzählt. Und erst in den letzten drei Episoden nimmt das Format endlich an Fahrt auf und wird so richtig spannend. Das Ende der Welt steht bevor – und die Figuren müssen sich entscheiden, ob sie versuchen, nuklearen Genozid zu verhindern und gegen das System anzukämpfen oder ob sie einfach tatenlos zusehen. Es scheint fast schon ironisch, dass gerade Nazi-Obergruppenführer John Smith, ein scheinbar loyaler Diener des Systems, seinen Sohn letztlich an dieses verliert – weil der Teenager unheilbar krank und den Euthanasie-Gesetzen zufolge wertlos ist.

Ein großes Fragezeichen sind auch in Staffel 2 die mysteriösen Filme, die scheinbar andere Welten porträtieren: Welten, in denen die Nazis den Krieg verloren haben, Hiroshima und Nagasaki von Amerikanern zerstört wurden und die Welt angesichts der Kuba-Krise den Atem anhält. Woher diese Filme stammen, wird teilweise aufgelöst, scheint aber komplett unrealistisch. Trotzdem ist die Idee dahinter spannend, wie manche Kritiker zurecht finden: Welchen Einfluss haben Geschichten auf unser Leben? Können sie etwas Grundlegendes verändern? Fordern sie uns zum Handeln heraus? Die Serie ist auch nach Staffel 2 noch längst nicht zuende erzählt – und die Hoffnung auf weitere Folgen trotz der Schwächen des Formats groß.

Was „The Man In The High Castle“ so interessant macht? Es sind eben nicht nur Monster, die Unschuldige vergasen oder Widerständler, die das System ohne Rücksicht auf mögliche Kollateralschäden bekämpfen – es sind Menschen … mit Träumen, Hoffnungen und Niederschlägen, mal glücklich, mal voller Hass. Und vielleicht ist die Serie deshalb so packend.

Autor: Ann Lin

26, editor, with a #marvelobsession and a big love for coffee.

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